Gartner-Ratschläge

4 Aufgaben für den CIO 2012

08.12.2011 von Kolja Kröger
Der Spezialist hat ausgedient. CIOs sollten immer schneller reagieren, rät Gartner. Denn die Technik wird mobiler, flexibler – und unvorhersehbar genutzt.
Der CIO steht vor neuen Herausforderungen. Meistert er sie nicht, wird er zum Hausmeister der Kern-Architektur.
Foto: INFINITY - Fotolia.com

Die IT-Abteilungen schrumpfen, aber durch Outsourcing, Social Media und den Business-Hunger nach Big Data wächst ihr Einflussbereich. Der CIO von morgen muss den Überblick in einer vielfältiger werdenden Infrastruktur bewahren, die verschiedenen Sourcing-Stränge zusammenhalten und in dem Gewühl die Effektivität seiner Mannschaft steigern. Schafft der CIO das nicht, darf er sich bald wie ein Hausmeister mit begrenzten Kompetenzen um die Kern-Infrastruktur des Unternehmens kümmern.

Ein solches Bild malt Gartner in seiner Trend-Prognose für 2012 unter dem Titel "2012 IT Professionals Planning Guide". Vor allem flexibler muss die IT nach Ansicht des amerikanischen Beratungshauses werden, wenn sich in Zeiten ständiger wirtschaftlicher Ungewissheit auch die Anforderungen der Business-User stetig verändern. Vier große Trends macht Gartner aus: Volatilität, Vielfalt, Vielseitigkeit und Mobilität. Sie verlangen neue Wege des IT-Managements und eine veränderte Architektur.

EU-Schuldenkrise und postmoderne IT-Architektur

1. Volatilität: Das kommende Jahr naht mit wirtschaftlich und politisch ungewissen Vorzeichen: Die Schuldenkrise in der EU, eine Blockade-Politik in den USA, die anstehenden Präsidentenwahlen und der Wind der Freiheit in den arabischen Ländern. Diese Unsicherheit schlägt sich in der Business-Welt nieder. Management-Teams experimentieren mit neuen Geschäftsmodellen, um sich schneller auf plötzliche Chancen und Bedrohungen einstellen zu können.

Gartners Tipp für den CIO: Altsysteme, von Technologien über Architekturen bis hin zu Denkweisen - stoßen in dieser Situation an ihre Grenzen. Sie müssen überdacht werden, um dem Business eine blitzschnelle Reaktionsgeschwindigkeit zu ermöglichen. Das alles aber bei Budgets, die in Europa nur wenig bis mittelprächtig wachsen werden.

2. Vielfalt: Keine leichte Aufgabe für CIOs: Eine Architektur schaffen - und sie auf künftige Aufgaben vorzubereiten, die aber noch niemand kennt. Das ist teuer, frisst Platz und man muss mehrere konkurrierende Lösungen parat haben. Projekt-Budgets, Anbieter-Bindung aber auch begrenztes Wissen hätten die heutigen rigiden System-Strukturen geformt, die in volatilen Zeiten an ihre Grenzen stoßen, so Gartner.

Social Media, Business Intelligence und viel Cloud-Computing

Tipps für den CIO: Modifizierbarkeit muss zum Kernbaustein der Architektur werden. Homogene Systeme wie Mainframes, aber auch ERP-Lösungen und sogar Sharepoint erlauben nur begrenzte Nutzungsszenarien. Künftig geht es zum Beispiel darum, aus dem Berg von Unternehmensdaten schnell die gewünschten Informationen herauszufiltern und aufzubereiten - mit verschiedenen Ansätzen aus Social Media, Such-Technologien, Wissensmanagement oder Business Intelligence.

Der CIO der Zukunft managt ein Multisourcing-Portolio aus Cloud-Diensten und internen Kernsystemen.
Foto: itestro - Fotolia.com

Die Bedeutung von Cloud Computing wächst, wenn die IT derart verschiedene Dienste bereithalten muss. IT-Management bedeutet, die Sammlung externer und interner Dienste zu managen, sie bei Bedarf schnell auszutauschen oder einzuschalten. Gartner erwartet, dass die meisten Unternehmen eine Auswahl von Kern-Diensten selbst betreiben und sich ein Ökosystem aus Dienstleistern für jeweils ganz spezifische Aufgaben zulegen. Anbieter müssen die Kompatibilität der Systeme sicherstellen, damit Anwender etwa ihre Daten einfach hin- und hertragen können.

Fit machen für Multisourcing

3. Vielseitigkeit: Zwei Türen stehen IT-Profis in dieser neuen Situation offen. Sich spezialisieren und nach Möglichkeit bei einem Anbieter anheuern, oder als Generalist mit starker Business-Orientierung mit der Architektur eines Anwenderunternehmens jonglieren. Für letztere Aufgabe sollen sie mit einer weiten Bandbreite von Technologien hantieren können: Netzwerk, Prozessoren, System- und Anwendersoftware oder der Gestaltung von User Interfaces.

Tipps für den CIO: Er muss seine Mannschaft fit machen für eine Multisourcing-Umgebung und in der IT das Bewusstsein für die Business-Relevanz der eigenen Arbeit schärfen. Er sitzt an den Schlüsselstellen der neuen Architektur und hält Ausschau nach technischen Neuerungen, mit denen das Business schnell nach neuen Wachstums-Möglichkeiten greifen kann.

4. Mobilität: Bis 2015, glaubt Gartner, hängt der Durchschnitts-User im Unternehmen mit vier Geräten am kabellosen Internet, ob mit Smartphone, iPad oder Laptop. Der Mensch ist immer und überall entweder Informationsproduzent oder -konsument. Die iPad-Revolution hat die Kraft des "hyperconnected individual" entfesselt, wie Gartner es nennt. Ständig unterwegs, aber ständig präsent.

Das iPad und die Intelligenz des Schwarms

Tipps für den CIO: Das hat auch Auswirkungen auf die Rolle der IT im Unternehmen. Befehlsstrukturen von oben nach unten gehören bald der Vergangenheit an. Entscheidungen entstehen viel häufiger im Netzwerk, dessen Schwarm-Intelligenz erst durchCollaboration-Tools herausgekitzelt wird.