Interview mit Ken Schwencke über Robo-Journalismus

Automatisierte Recherche verbessert den Journalismus

02.09.2014 von Thomas Pelkmann und Jan C. Rode
Der Journalist und Programmierer Ken Schwencke glaubt, dass automatisierte Recherche den Journalismus voranbringt. Sein Quakebot sorgte beispielsweise mit seiner Berichterstattung über Erdbeben im Westen der USA selbst für Schlagzeilen.
Ken Schwencke
Foto: latimes.com

Ken Schwencke - bis vor kurzem noch beim Los Angeles Times Data Desk und nun bei der New York Times tätig - ist Journalist und Programmierer. Für den LA Times analysierte er Daten, erstellte Datenbanken wie "The Homicide Report" und automatisierte Erdbeben Nachrichten mittels eines selbst programmierten Quakebot Programms. Vor kurzem wechselte Schwencke zur New York Times. Er spricht als einer der Keynoute-Speaker beim scoopcamp am 4 September in Hamburg, einer Innovationskonferenz für Online-Medien.

CIO.de: Können Algorithmen gute Journalisten sein?

Ken Schwencke: Nun, Algorithmen sind immer nur so schlau wie die Programmierung. Wenn wir dabei an Journalismus denken geht es immer darum, Geschichten rund um ein Set an Daten zu formen, beispielsweise beim Sport. Hier gibt es eine endliche Anzahl von Möglichkeiten und wenn man alle kennt, kann man den Code schreiben. Das ist ein bisschen wie Improvisationstheater. Ein Code allein macht eine Story noch nicht interessant. Der Programmierer muss genau wissen, nach welchen Informationen er suchen muss, wie er an diese herankommt und wie am Ende die Präsentation aussehen muss.

CIO.de: Ihr Quakebot wurde selber zur Nachricht, als er automatisch über seismische Aktivitäten im Großraum Los Angeles berichtete. Was kann der Code besser als Menschen?

Ken Schwencke: Die Geschwindigkeit ist einfach unglaublich. In wenigen Sekunden, nachdem das Erdbeben registriert wurde, hatte das Programm nicht nur die Information erhalten und ausgelesen, sondern auch unsere Herausgeber informiert und einen Artikel in unser Content Management System gepostet.

CIO.de: Wir leben in einem Zeitalter des Informationsüberflusses. So gesehen, können Algorithmen helfen, den Blick der Journalisten in die richtige Richtung zu lenken, sodass sie später ihren eigenen Content ergänzen. Was könnte noch passieren?

Ken Schwencke: Die Algorithmen können ständig verbessert werden. Wir sollten uns jedoch anstrengen, einer Geschichte noch mehr Kontext zu geben.

CIO.de: Ermuntern Sie Ihre Kollegen aus traditionelle Newsrooms und Redaktionen, mit Daten und Algorithmen zu experimentieren?

Ken Schwencke: Auf jeden Fall! Es gibt derart viele Informationen, die einen genaueren Blick verdienen, was aber manuell nahezu unmöglich ist. Schon Excel und andere simple Datenbanken können hier helfen. Wer seine Recherche automatisiert und mit Computer-Programmierung beginnt, wird seine Arbeit ungemein verbessern.

CIO.de: Welchen Rat geben Sie Journalisten, die ihre ersten Code-Schritte unternehmen wollen?

Ken Schwencke: Findet ein Projekt, welches euch interessiert und versucht zu erkennen, inwieweit Code bei der Umsetzung helfen kann. Ich bin davon überzeugt, dass der beste Weg, erste Programmierkenntnisse zu gewinnen, eine klares Ziel im Kopf zu haben und Code als einen Weg dorthin zu betrachten.