Weniger Datencenter, mehr Outsourcing

Citigroup: IT muss ein Drittel der Einsparungen tragen

19.04.2007 von Christiane Pütter
Der Plan klingt ehrgeizig: 10,4 Milliarden US-Dollar will der amerikanische Finanzdienstleister Citigroup in den kommenden drei Jahren einsparen - und 3,5 Milliarden davon soll der Umbau der IT bringen. Wie viele IT-Stellen wegfallen werden, ist unbekannt. Allerdings hat Vorstands-Chef Charles Prince angekündigt, 9.500 Back-Office-Funktionen in Niedriglohnländer verschieben zu wollen.
Die Citigroup strukturiert um.
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Konkret sieht das Vorhaben so aus: Die Citigroup will ihre IT standardisieren, die Zahl der Datenzentren von jetzt 42 auf 29 im Jahr 2009 verringern und mehr Entwicklungsarbeiten ins Ausland geben. Außerdem sollen Beschaffung und andere operationale Prozesse zusammengefasst werden. Die bisherigen IT-Lieferanten müssen sich ins Zeug legen, denn im Zuge all der Maßnahmen soll auch bei ihnen ausgesiebt werden.

Darüberhinaus setzt das Unternehmen auf Server-Virtualisierung. Eine interne Überprüfung soll teure Highend-Storage-Units ausfindig machen, die durch billigere Massenspeicher ersetzt werden können. Die IT der Citigroup sei in den vergangenen Jahren wegen diverser aufgekaufter Firmen, die nicht in eine homogene IT-Landschaft überführt wurden, besonders unproduktiv gewesen, so Branchenkenner.

Ziel ist, bereits Ende diesen Jahres 400 Millionen Dollar mehr auf der Haben-Seite zu verzeichnen. 2008 sollen Einsparungen von 1,1 Milliarden und 2009 von rund zwei Milliarden erreicht werden.

Das Unternehmen äußert sich nicht zu der Frage, wie viele IT-Jobs gestrichen werden. Es heißt nur, dass insgesamt 17.000 Arbeitsplätze und damit fünf Prozent der Belegschaft wegfallen. Derzeit sind 19.000 Citigroup-Angestellte in Indien in der Hotline beschäftigt, die geplanten 9.500 auszulagernden Jobs nicht mitgezählt.

In deutschen Citigroup-Töchtern arbeiten 7.300 Beschäftigte. Nach den Worten von Citibank-Sprecher Björn Korschinowski werden sie vom Umbau unberührt bleiben.

Der Konzern hat mit der nachlassenden US-Konjunktur und den Kreditproblemen einkommensschwacher Amerikaner zu kämpfen. Im vergangenen Jahr waren die operativen Kosten der Bank doppelt so schnell gestiegen wie die Erträge. Charles Prince hatte daraufhin "eine Durchforstung des Geschäfts" angekündigt.

PAC-Analystin Nadia Müller-Adnane hält die angekündigten Maßnahmen für nicht überraschend. "Die Finanzdienstleistungs-Branche sieht sich heute einem extrem hohen Wettbewerb gegenüber", sagt sie gegenüber CIO Online. "Um Kosten zu senken, sind damit sowohl Banken als auch Versicherungen gezwungen, ihre Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen und Maßnahmen zur Effizienz und Qualitäts-Steigerung einzuleiten."

Nach den Beobachtungen der Analystin existieren in den Back Offices einiger Banken noch zahlreiche alte Legacy Systeme, die überholt sind und mit hohen Kosten zu Buche schlagen. Die Front Offices seien dagegen oft gut ausgestattet.

Deloitte schätzt, dass Banken in den kommenden drei Jahren in Sachen Outsourcing einen großen Schritt nach vorn machen werden. 2010 dürften demnach rund ein Drittel der IT-Abteilungen ausgelagert sein - derzeit sind es erst sechs Prozent. Laut Pressemeldungen hält Bart Narter vom Consulter Celent die Citibank sei in diesem Bereich für "viel weiter als die meisten anderen Banken".