Pharmaverpackungshersteller

Gerresheimer kauft Bormioli Pharma

24.05.2024
Der Verpackungshersteller Gerresheimer erweitert sein Pharmageschäft durch die Übernahme der italienischen Bormioli Pharma Gruppe.
Gerresheimer produziert zahlreiche Produkte für die Pharmawelt in Reinraumumgebungen.
Foto: Gerresheimer AG

Den Unternehmenswert bezifferte Gerresheimer auf 800 Millionen Euro. Mit dem Zukauf will das Management um Konzernchef Dietmar Siemssen Wachstum und Profitabilität steigern. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2023/24 (per Ende November) bekräftigte das Unternehmen. Investoren feierten den Zukauf mit einem Kurssprung.

"Mit der Transaktion setzen wir ein Ausrufezeichen hinter unsere Wachstumsambitionen", kommentierte Siemssen die Übernahme. "Bormioli Pharma passt strategisch ideal zu uns und beschleunigt unsere Transformation zum integrierten System- und Lösungsanbieter." Beide Unternehmen ergänzten sich sowohl im Produktportfolio als auch in der regionalen Abdeckung mit Produktionsstandorten in Europa. Die Überschneidungen seien sehr begrenzt.

Die im MDax notierte Aktie sprang zwischenzeitlich um bis zu 14 Prozent an, bevor sie leicht zurückfiel. Am späten Vormittag notiert sie jedoch weiterhin zweistellig im Plus. Damit scheint die jüngste Talfahrt vorerst beendet zu sein. In den vergangenen vier Handelstagen waren die Titel in der Spitze um mehr als 12 Prozent abgesackt. Im bisherigen Jahresverlauf stand bis Mittwoch ein Minus von gut einem Prozent zu Buche.

Anleger beruhigen

Der Zukauf dürfte die Gerresheimer-Anleger nach den jüngsten Spekulationen um eine mögliche Gewinnwarnung beruhigen, schrieb Jefferies-Analyst James Vane-Tempest in einer ersten Reaktion. Zuletzt hätten die Papiere angesichts schlechter Botschaften der Branchenkollegen Schott Pharma und Stevanato einen schweren Stand gehabt. Konzernchef Siemssen versuchte dagegen auf der Telefonkonferenz, solche Sorgen zu zerstreuen. Es gäbe derzeit keinen Grund, die Prognose für das laufende Geschäftsjahr zu ändern, stellte er klar. JPMorgan-Analyst David Adlington lobte die Übernahme unterdessen als "gewinnbringend".

Bormioli Pharma stellt pharmazeutische Primärverpackungen aus Glas und Kunststoff sowie Verschlusslösungen, Zubehör und Dosiersysteme her. Das Unternehmen verfügt den Angaben zufolge über neun Produktionsstandorte in Europa und kommt auf einen Jahresumsatz von rund 370 Millionen Euro sowie eine bereinigte Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von etwa 21 Prozent. Finanzvorstand Bernd Metzner stellte in einer Telefonkonferenz für die Zukunft im Schnitt ein mittleres zweistelliges Umsatzwachstum pro Jahr sowie eine steigende Ebitda-Marge für das Geschäft in Aussicht. Die Synergien bezifferte er kurz- und mittelfristig auf drei bis fünf Prozent des Bormioli-Umsatzes.

Präsenz mit Produktionsstandorten in Südeuropa gestärkt

Mit der Akquisition stärke Gerresheimer seine europäische Präsenz mit weiteren Produktionsstandorten vor allem in Südeuropa, hieß es. Die Akquisition soll das Ergebnis pro Aktie um mehr als 10 Prozent ab dem ersten Jahr nach Abschluss der Transaktion steigern. Zudem sieht Gerresheimer einen kurzfristigen positiven Effekt von 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte auf das mittelfristige Margenziel von 23 bis 25 Prozent. Die Transaktion muss noch von verschiedenen Seiten genehmigt werden und soll im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2023/24 abgeschlossen werden. Finanziert werden soll die Übernahme durch einen Brückenkredit eines Bankenkonsortiums.

Gerresheimer könne dank des Zukaufs künftig verstärkt integrierte Lösungen aus Primärverpackung und passender Verschlussoption anbieten und werde zu einem der führenden Komplettanbieter für die Pharma- und Biotech-Branche, hieß es vom Unternehmen weiter. Bormioli soll Teil einer neuen Sparte (Moulded Glass) werden, in dem die Geschäfte mit Pharma, Kosmetik sowie Lebensmitteln und Getränke zusammengefasst werden. Dieses werde künftig 30 Prozent des Gesamtumsatzes umfassen. Das kombinierte Moulded-Glass-Geschäft würde pro forma 2024 einen Umsatz von rund 750 Millionen Euro bei einer Ebitda-Marge von rund 21 Prozent vor Synergien erzielen.

Gerresheimer hatte zu Jahresbeginn weiter unter Abbau der Lagerbestände von Pharmakunden gelitten. Den Lagerabbau bekommt vor allem das Geschäft mit pharmazeutischen Primärverpackungen der Sparte PPG rund um Glas-Fläschchen, Karpulen und Ampullen zu spüren. Das Management setzt jedoch auf eine bessere zweite Jahreshälfte. Für das Geschäftsjahr 2024 peilt der Konkurrent von Schott Pharma ein Umsatzplus aus eigener Kraft von fünf bis zehn Prozent an. Das bereinigtes Ebitda soll organisch 430 bis 450 Millionen Euro erreichen. Dabei hatte Gerresheimer bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal eine mögliche Präzisierung zum Halbjahresbericht im Juli nicht ausgeschlossen. (dpa/rs)