Karriere-Ratschläge für CIOs

Führungskräfte werden allein gelassen

31.08.2011 von Thomas Pelkmann
IT-Leiter sind dem Leistungsdruck durch steigendes Veränderungstempo besonders ausgesetzt. Management-Coach Uta von Boyen gibt Tipps für desillusionierte IT-Führungskräfte.
Gehts weiter mit der Karriere der CIOs oder hängt es?
Foto:

Der Beruf der Führungskraft genießt wenig Anerkennung: "Viele Chefs reifen über ihre fachlichen Qualitäten und machen dort ihre ersten Erfahrungen", weiß die Münchner Management-Trainerin und Personalberaterin Uta von Boyen zu berichten. "Im Übergang zur strategischen Führung fehlt in den meisten Unternehmen dann aber eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung."

Überhaupt gehe es Führungskräften derzeit nicht besonders gut, meint von Boyen: "Sie werden weitgehend mit ihren Aufgaben und Verantwortlichkeiten allein gelassen." Gerade beim Wechsel von einer Firma zu einer anderen gebe das große Probleme: "Da herrschen dann völlig andere Organisationsstrukturen, Kommunikationswege, Hierarchien und Wertesysteme", fasst die Expertin den Druck zusammen, der auf den Führungskräften lastet. Wer bis dahin intuitiv Wissen und Erfahrungen gesammelt habe, könne das daher gar nicht anwenden.

"Es ist wichtig, sich frühzeitig einen Plan für die IT-Karriere zu machen und diesen Plan dann auch zu verfolgen", rät Personalberaterin Uta von Boyen.
Foto: von boyen – consulting

Das sei zwar früher nicht großartig anders gewesen, gesteht Uta von Boyen zu. Aber: "In den Organisationen wird der Leistungsdruck immer größer" und Führungskräfte seien diesem Druck bei zunehmendem Tempo der Veränderung besonders ausgesetzt. Aufgrund der mangelnden professionellen Vorbereitung auf solche Entwicklungen falle es Vorgesetzten zunehmend schwerer, in der immer komplexeren Wirtschaftswelt die Übersicht zu behalten.

Diese Probleme gelten auch für IT-Leiter und CIOs. Da wo Technik weitgehend zur Commodity geworden ist, wo Outsourcing-Dienstleister und Cloud-Konstrukte auf der Basis einer standardisierten IT arbeiten, ist Führung zum entscheidenden Faktor geworden: "IT-Organisationen unterscheiden sich häufig nur noch durch ihre Kultur", beschreibt Uta von Boyen den Stand der Dinge. Das heißt: "Nur noch über gut funktionierende, effiziente Prozesse produzieren Unternehmen Alleinstellung." Aufgrund dieser Tatsache, so von Boyen, verändere sich die Rolle des CIO mehr als andere Führungsrollen: Der CIO der Zukunft muss neben dem technischen Wissen deutlich fachlicher und strategischer orientiert sein.

Druck auf die CIOs kommt auch durch die Pflicht, den Nutzen der IT viel stärker begründen zu müssen, zunehmend an den CFO als direktem Vorgesetzten der CIOs. Dabei werde IT immer stärker zum strategischen Faktor im Unternehmen. Es geht nicht mehr einfach nur um Datenverarbeitung, sondern darum, wie Unternehmen kritische und entscheidungswichtige Informationen gewinnen. IT prägt und bestimmt unternehmenskritische Prozesse.

Das CIO/CFO-Dilemma

In der Unternehmenshierarchie schlägt sich dieser Bedeutungswandel nur selten wieder, kritisiert die Personalberaterin. Im Gegenteil: Immer mehr CIOs berichten mittlerweile an den CFO ihres Unternehmens, immer weniger an den Unternehmensleiter.

Oft übernimmt der CIO zudem Rolle und Aufgabe de COO gleich mit. Uta von Boyen plädiert deshalb für das Gegenteil: "CIOs gehören unbedingt in den Vorstand eines Unternehmens", lautet ihre allerdings nicht ganz neue Forderung. Die IT bilde die Kernprozesse eines Unternehmens ab und rücke damit viel enger an Geschäftsführungen und Vorstände heran. "Da darf es keine Distanz und keine Instanz dazwischen geben", fordert von Boyen. Schließlich stelle die IT Informationen zur Unternehmensführung und damit zentrale Daten für die Entscheidungsfindung zur Verfügung. Doch diese strukturelle Herausforderung zu meistern, gelingt den meisten Unternehmen nicht.

Auch CIOs müssen sich ändern

Aber damit CIOs diese wichtige Rolle ausfüllen können, müssen auch sie sich ändern, findet Uta von Boyen. Das verstärkte Business-Alignment der IT setze eine serviceorientierte Handlungsweise und ein integratives Verhalten und fachliches Verständnis gegenüber den Fachbereichen voraus. Diese Überzeugung und dieses Wissen seien aber nicht in jeder IT-Abteilung vorhanden, kritisiert die Personalberaterin.

Stattdessen gebe es hin und wieder frustrierte CIOs, die sich über den durch Krise und CFO-Berichtswesen so eng gesteckten Rahmen ärgern, der ihnen den Raum für innovative Konzepte nimmt.

Aber auch für die desillusionierten IT-Leiter hält Uta von Boyen einen praktischen Rat bereit: "Das einfachste ist es in einer solchen Situation, die Perspektive zu verändern, seine Ideen und Konzepte aus der anderen Sichtweise heraus klar zu formulieren und eine saubere Nutzenargumentation zu führen". Von Boyen rät CIOs dazu, nach Sachargumenten in der eigenen Organisation oder bei Wettbewerbern zu suchen, um eine Diskussion über die Rolle der IT neu anzufachen.

Wer es schaffe, aus Visionen und Ideen einen Business Case zu entwerfen, der den Nutzen solcher Konzepte nach außen dokumentiert, beugt Frust vor und sorgt dafür, dass das Business-Alignment neuen Schwung bekommt. Dabei helfen moderne Technologien und Organisationsformen: "Ich habe ja nicht nur die eigene IT-Organisation, um effiziente Lösungen zu finden. Offshoring, Nearshoring, Outsourcing, SaaS: Da kann ich durchaus auch andere Kanäle zu Hilfe nehmen, um Ideen zu realisieren und gleichzeitig Kosten zu senken", rät Uta von Boyen. "Denn in Zeiten der IT-Ressourcenverknappung kommt auch der Mittelstand bald an arbeitsteiligen IT-Organisationen nicht mehr vorbei - was für CIOs neue Herausforderungen bedeutet."

Karriereplanung auch für die zweite Reihe wichtig

Die zweite Reihe in der IT - Architekten, Sicherheitsbeauftragte oder Netzwerkspezialisten - soll ebenfalls an der Karriere arbeiten. "Es ist wichtig, sich frühzeitig einen Plan zu machen und diesen Plan dann auch zu verfolgen", rät Uta von Boyen. Anders als früher, wo IT-Experten die gesamte Wertschöpfungskette abarbeiten mussten, um Karriere zu machen, verläuft die Karriereplanung heute anders. Von Boyen empfiehlt, sich systematisch ein Doppelprofil zu erarbeiten: Qualifikationen in den IT-Abteilungen im Unternehmen seien dabei genau so wichtig wie Erfahrungen etwa in Beratungs- oder Dienstleistungsfirmen, weil sie eine andere Perspektive auf dieselben Gegenstände erlaubten. Effizienzgewinnung, Kostenbewusstsein, kreative Modelle, arbeitsteilige Organisationen: Solche Themen könne man dort sehr viel intensiver erleben, als bei der operativen Arbeit in einer Linienverantwortung im Unternehmen.

CIOs von morgen brauchen viele unterschiedliche Erfahrungen

Anders als bei den omnipräsenten IT-Chefs der Vergangenheit sei es heute zudem wichtig, sich auf eine spezielle Branche zu fokussieren. "Heutzutage brauche ich das Fach- und Spezialwissen für meine erfolgreiche CIO-Karriere." Aber dazu gehört auch ein Branchenfokus; Prozesswissen und disziplinarische Führungsverantwortung sind ebenfalls wesentliche Kompetenzen. Denn werdende CIOs müssen neben den neuen fachlichen Qualifikationen auch operative Erfahrung aus dem Unternehmen vorweisen, um den nächsten Karriereschritt machen zu können.