Laut Studien kann jeder Siebte betroffen sein
Wenn Aufschieberitis die Karriere bremst
Viele CIOs dürften das Szenario kennen: Obwohl ein Meeting schon seit Wochen anberaumt ist, zimmern sie die zu haltende Präsentation erst in den letzten Stunden und Minuten vorher hektisch zusammen. Am Ende geht alles gut, und man tröstet sich damit, dass man eben unter Zeitdruck am besten arbeite.
Wer allerdings regelmäßig in solche Situationen gerät, leidet womöglich an chronischem Aufschieben. Psychologen nennen dieses Phänomen Prokrastination, ins Deutsche etwa zu übersetzen mit Aufschieberitis. In besonders schlimmen Fällen kann sie dazu führen, dass Karrieren scheitern. Wenn ständig Arbeit unerledigt bleibt, kann auch das seelische Wohlbefinden in Mitleidenschaft gezogen werden und eine Depression folgen.
Wie viele Menschen krankhafte Aufschieber sind, lässt sich nur schwer sagen, da die Krankheit in den weltweit gängigen Verzeichnissen nicht als eigenständige Störung aufgelistet wird. Laut einer Studie des Psychologie-Professors Joseph Ferrari von der De Paul-Universität in Chicago leidet daran jeder Fünfte. Professor Fred Rist, Psychologe an der Universität Münster, schätzt die Verbreitung etwas geringer ein. Je nachdem, wie hoch man die Schwelle anlege, ergäben sich Werte zwischen sechs und 14 Prozent - das wäre jeder Siebte.
Die Universität Münster unterhält eine eigene Prokrastinationsambulanz. Bei einer groß angelegten Untersuchung an den Studenten der Hochschule zeigte sich, dass 14,6 Prozent von ihnen gemäß einem standardisierten Test einen höheren Aufschiebe-Faktor haben als die, die sich wegen dieses Problems bereits an die Ambulanz gewandt hatten.