Schweizer Bundesbahn
Reporting 2.0: Zeitung statt Zahlenfriedhof
Die Lösung bestand in einer konsequenten StandardisierungStandardisierung der Systeme, Prozesse und Skills. "Unser Motto lautete: Lernen von den Zeitungsprofis, die jeden Tag professionelle und auf den Punkt verfasste Berichte rechtzeitig liefern", so Schweizer. Rund 40 Controller erhalten Datenmaterial und müssen ihre Kommentare innerhalb einer kurzen Frist verfassen. Die Berichte sollten künftig ausformulierte Analysen enthalten, die Entscheidungshilfen und Handlungsempfehlungen einschließen. Mit ins Boot für die Umsetzung geholt wurde die Aspektum GmbH, ein Schweizer Spezialist für Unternehmenskommunikation. Alles zu Standardisierung auf CIO.de
Aus Controllern werden Redakteure
Weil nicht jeder als Redakteur geboren wird, investierte die SBB auch in die Fertigkeiten der Mitarbeiter. "Die Texte müssen gut sein", betont Schweizer. "Wenn sie schlecht formuliert sind, hast du schon verloren." Um gute Texte verfassen zu können, wurden die Controller in Seminaren geschult. Zudem erhielten die neuen "Redakteure" ein Handbuch mit 66 Regeln für das Verfassen von Texten mit dem bezeichnenden Titel "Text Rules".
Auch die Prozesse wurden überarbeitet: Man beschloss, auf Redaktionssysteme zu setzen, die sich in Zeitungsredaktionen bereits seit Jahrzehnten bewährt haben. So führte die SBB mit Unterstützung der Stämpfli AG ein Redaktions- und Publishingsystem von Woodwing ein, mit dem drei Layouter seit Anfang 2012 die internen Berichte erstellen. Das Publishing-System kann die Berichte auch so aufbereiten, dass sie sich auf mobile Geräte verteilen lassen.
Das neue Format orientiert sich auch inhaltlich an Zeitungsstandards: Was wichtig ist, muss vorne stehen. So entstehen jeden Monat Berichte im Umfang von 40 Seiten und pro Quartal 60 Seiten. Ihr Layout ist dezent und informativ gehalten und lebt mit wenigen Farben. Grafiken werden vornehmlich in Rot, Grün und Grau gezeichnet.
Das neue Corporate Reporting hat den Umgang mit den Berichten verändert. "Unsere Controller arbeiten nun schon während des Monats voraus und stellen Fragen. Denn wenn die Zahlen da sind, reicht die Zeit nicht aus, um nach Ursachen zu forschen und die Findings auszuformulieren", sagt Schweizer. Mittlerweile gibt es wöchentliche Redaktionssitzungen, in der Erstellungsphase trifft man sich sogar täglich.