Machine Learning
9 Mythen vom maschinellen Lernen
Mary Branscombe beschäftigt sich als freiberufliche Journalistin seit über 20 Jahren mit der IT-Branche. Sie schreibt unter anderem für unsere US-Schwesterpublikation cio.com.
Florian Maier beschäftigt sich mit diversen Themen rund um Technologie und Management.
"Machine Learning ist unbefangen"
Weil Machine-Learning-Systeme von Daten lernen, werden sie auch die hier eventuell vorhandenen Vorurteile replizieren. Wer nach Fotos von CEOs sucht, wird wahrscheinlich vor allem weiße, männliche Menschen zu sehen bekommen, weil deren Anteil unter den CEOs besonders hoch ist.
Maschinelles Lernen ist sogar in der Lage, Vorurteile und Befangenheit zu verstärken: Das COCO-Datenset kommt oft beim Training von Bilderkennungssystemen zum Einsatz. Das Datenset enthält Bilder von Männern und Frauen - wobei die Frauen öfter zusammen mit Küchenutensilien abgebildet sind und Männer mit Computer Hardware oder Sportgeräten. Wenn Sie damit Ihr ML-System trainieren, wird dieses Männer eher mit Computern und Sport in Verbindung bringen, als es die Statistiken der Originalfotos tun.
Es ist auch möglich, dass ein Machine-Learning-System ein anderes mit Befangenheit "impft". Wenn Sie Ihr System zum maschinellen Lernen mit einem populären Framework trainieren, das Wörter als Vektoren darstellt, um die Beziehungen zwischen diesen zu visualisieren, wird das System Stereotypen lernen wie "Mann verhält sich zu Frau wie Doktor zu Krankenschwester und Chef zu Sekretärin". Wenn Sie dieses System nun mit einem anderen kombinieren, das zwischen Sprachen mit und ohne gender-neutralen Pronomen hin- und her übersetzt, wird aus dem Englischen "they are a doctor" am Ende "he is a doctor" und aus "they are a nurse" wird "she is a nurse".
Empfehlungen auf der Grundlage vergangener Seitenaufrufe machen im Fall eines Onlineshops durchaus Sinn - problematisch wird das Ganze, sobald es sich um "sensible Bereiche" dreht und eine Feedback-Schleife entstehen kann. Wenn Sie einer Facebook-Gruppe beitreten, die sich gegen Schutzimpfungen ausspricht, wird Ihnen die Empfehlungs-Engine von FacebookFacebook weitere Gruppen mit "Verschwörungstheorie-Ausrichtung" vorschlagen. Alles zu Facebook auf CIO.de
Es ist wichtig, sich in Sachen Machine Learning der Probleme mit der Befangenheit bewusst zu sein. Wenn Sie Ihr Trainings-Datenset nicht von Befangenheit befreit bekommen, empfehlen sich Techniken um etwa die Geschlechtsbeziehungen zwischen bestimmten Wortpaaren abzuschwächen oder Dinge ohne direkten Bezug in die Empfehlungen aufzunehmen, um Filterblasen zu vermeiden.
"Maschinelles Lernen dient nur dem Guten"
Machine Learning treibt auch Antivirus Tools an und analysiert in diesem Bereich zum Beispiel neue Bedrohungsmuster. Kriminelle Hacker auf der anderen Seite haben maschinelles Lernen ebenfalls längst für sich entdeckt und nutzen entsprechende Tools, um die Verteidigungslinien ihrerseits durchbrechen zu können.
Ein weiteres, kriminelles Einsatzgebiet von Machine Learning: Gezielte und großangelegte Phishing-Attacken, deren Erfolgschancen zuvor auf Grundlage von Datenanalysen errechnet werden.
"Machine Learning wird Menschen ersetzen"
Die Angst vor der Verdrängung durch Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig. Und mit Sicherheit wird die Technologie dafür sorgen, dass sich unsere Arbeitswelt und die Art, wie wir arbeiten, verändern. Machine-Learning-Systeme können Effizienz und ComplianceCompliance zuträglich sein und Kosten reduzieren. Auf lange Sicht werden einige Tätigkeiten wegfallen, dafür werden neue entstehen. Alles zu Compliance auf CIO.de
Fakt ist aber auch, dass Systeme für maschinelles Lernen vor allem solche Aufgaben automatisieren, die vorher einfach nicht erfüllbar waren - entweder aus Komplexitäts- oder aus Skalierungsgründen. Was Machine Learning bereits "geschafft" hat: Es hat für die Entstehung neuer Geschäftsmodelle und -Möglichkeiten gesorgt, beispielsweise wenn es darum geht, die Customer Experience mit Hilfe von Predictive Maintenance zu pushen oder datengetriebene Business-Entscheidungen zu treffen.
Kurzum: Wie die früheren Automatisierungs-Instanzen befähigt auch Machine Learning in erster Linie die Mitarbeiter von Unternehmen, ihre Expertise und Kreativität zu entfalten.
Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation cio.com.
- Oliver Bracht, Chief Data Scientist bei Eoda
"In der Frage der Akzeptanz von KI und Machine Learning ist die Varianz unter den deutschen Unternehmen sehr hoch. Einige stehen noch ganz am Anfang, andere sind schon weit vorangeschritten." - Robert Gögele, General Manager bei Avanade Deutschland
"Im Feld KI und Machine Learning können in Deutschland viele neue Jobs entstehen. Dafür brauchen wir aber einen Kulturwandel, in dem wir uns als Gesellschaft und im öffentlich Diskurs deutlich mehr den Chancen widmen, als uns hinter den wohlbekannten und legitimen Risiken zu verstecken." - Stefan Gössel, Partner bei Reply
"Im ersten Schritt geht es um die eigene Effizienz. Der wesentliche Treiber ist es jedoch, die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen, um neues Wachstum zu generieren." - Franz Kögl, Vorstand von Intrafind
"Unsere Kunden haben mit dem Thema AI keine Berührungsängste. Alle gehen das pragmatisch an: Business Case und Anforderungen definieren, dann für den Use Case die beste Kombination aus AI-Verfahren auswählen und die Machbarkeit testen." - Ronny Kroehne, Senior IT Architect bei IBM
"Wir reden immer öfter direkt mit den Fachbereichen. Da ist der Innovationsdruck am Größten." - Katharina Lamsa, Pressesprecherin für die Division Digital Factory bei Siemens
"Die zunehmende Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung und die Akzeptanz von KI und Machine Learning bei unseren Kunden. Insbesondere im Maschinenbau sehen wir Ansätze, sich mit diesem Innovationsfeld intensiv zu befassen. Darunter finden sich auch kleinere, sehr innovative Unternehmen, die das Zukunftspotenzial des Themas erkannt haben." - Markus Noga, Leiter Maschinelles Lernen, SAP SE
"Unsere Vision ist das intelligente Unternehmen. Dank maschinellem Lernen und natürlicher Sprachverarbeitung werden Softwaresysteme Mitarbeiter zukünftig in allen Routinetätigkeiten unterstützen und ihnen die Möglichkeit geben, sich auf kreative und strategische Aufgaben zu fokussieren. Wir treiben diese Entwicklung mit intelligenten Applikationen und Services voran und bieten Anwendungsmöglichkeiten für jeden Kenntnisstand." - Klaus-Dieter Schulze, Senior Vice President Digital Business Solutions bei NTT Data Deutschland
"Ich muss immer mit der Business-Frage anfangen, nicht mit der Technologie." - Max Zimmermann, Data Scientist von Lufthansa Industry Solutions
"Man muss die unterschiedlichen Bereiche Künstlicher Intelligenz definitorisch voneinander abgrenzen. Einfache Regressionsverfahren zum Beispiel genießen derzeit hohe Akzeptanz."