Strategien


QUALITÄTSKONTROLLE

Zentrale Störungsstelle für die Lieferkette

01.10.2001
Von Roland Keller

Zum Beispiel bei Siemens: E-Business-Chef Albert Goller holte deshalb B-Focus in seinen ?Business- Accelerator" am Münchner Flughafen. Von Siemens Medical Solutions in Forchheim kam Mitte 2001 der erste Auftrag: ein Pilotprojekt im Bereich Computer-Tomographie. Für den zuständigen Supply-Chain-Manager Franz Grasser ist es wichtig, "ständig die Qualität der Supply Chain zu messen und den Kunden zu zeigen, wo ihre Aufträge stehen". Nun hat er eine Art "Drehzahlmesser für Lieferketten" zur Verfügung, um damit den Bestandsumschlag zu erhöhen und den Cashflow zu verbessern.

Sichtbar für den Kunden wird der Drehzahlmesser über das Internet. Sobald die Software nach etwa zwei bis drei Monaten implementiert ist, lassen sich mit Hilfe der Schlüsselindikatoren die gewünschten Daten über das Internet darstellen. "Wir erkennen Störungen und Fehlsteuerungen nahezu in Echtzeit, ohne in bestehende Systeme einzugreifen", verspricht Stoltze. Konkret verheißt die B-Focus-Software, alle Daten herauszufiltern, die Supply-Chain-Manager benötigen: Angaben zu Durchlaufzeiten, Lieferzeiten und zur Liefertreue, dazu Vergleichsdaten zu anderen Prozessen innerhalb des Unternehmens. Dieses interne Benchmarking, also der Vergleich des Ist- mit dem Soll-Zustand, ist sowohl bei Gretag als auch bei Siemens nun auch über Software- Grenzen hinaus machbar.

Drehzahlmesser offenbart Fehlsteuerungen

Die Kehrseite solcher Offenheit liegt, wie so oft, im menschlichen Bereich: Absolute Transparenz der Lieferkette fühlt dazu, dass sich Fehler in der Planung und in den Abläufen nicht mehr verbergen lassen. Wer jetzt pfuscht, steht sehr schnell am Pranger. Mögliche Widerstände der Prozessverantwortlichen dagegen werden verständlicherweise meist nicht offensiv vorgetragen. Peter Ossenberg, Unternehmensberater bei B-Focus, will denn auch gegen das SCM-Controlling bei Siemens und Gretag keine Vorbehalte bemerkt haben. Und das, obwohl "gerade unternehmensübergreifende Ketten nie so hundertprozentig" funktionieren können, sagt er.

Aber vielleicht werden die unangenehmsten Leichen ja aus dem Keller geholt, bevor dort das Licht ausgeht.

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