NUTZEN UND RISIKEN DER IT-HARMONISIERUNG
Kosten drücken durch Kopien
DIE ZUNGE HOLPERT bei dem Wort IT-Standardisierung. So sperrig die Aussprache ist, so glatt geht der Begriff dagegen denen runter, die mit ihren Budgets knapsen müssen: Standards führen direkt zu geringeren ITKosten. Selbst Laien leuchtet ein, dass eine hoch standardisierte IT runder läuft als ein Verhau aus Softund Hardware-Bastelarbeiten.
Laut Meta Group entsteht rund ein Drittel aller IT-Kosten dadurch, dass Schnittstellen zwischen Inselanwendungen und -systemen bereitgestellt werden müssen. Verständlich darum, dass Controller Standardisierungsfans sind. CIOs auch - aber so einfach ist es nicht. „Wer versucht, in Shanghai oder Kasachstan SAPSAP R/3 einzuführen und damit den Company-Standard durchzusetzen, sollte sich bewusst sein, worauf er sich einlässt“, sagt Alfred Spill, IS-Manager beim Energie- und Automatisierungskonzern ABB in Mannheim.
Standard ist, was sich durchsetzt
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Dabei lassen sich Standards unternehmensintern noch relativ einfach durchsetzen. Jenseits der Firmengrenzen ist das anders. Wichtig sind die technischen Standards, die sich am Markt durchsetzen. Von „positiven Netzeffekten“ spricht der Frankfurter Wirtschaftsinformatiker Wolfgang König; die klassische Wirtschaftsliteratur hat den Begriff „Bandwagon-Effekt“ geprägt. Beides bedeutet: Kaufentscheidungen eines Kunden beeinflussen die Entscheidungen anderer Kunden. MicrosoftMicrosoft und SAP sind per Bandwagon zu Marktführern geworden. Aber auch herstellerübergreifende Technologien, etwa das Datenaustauschformat XML, das im E-Business immer wichtiger wird, wären sonst Schrankware: aufwendig entwickelt, säuberlich beschrieben, ordentlich abgeheftet - und dann vergessen.
Damit das nicht geschieht, formieren sich rund um die Standardisierungsgremien wie das W3C immer wieder Anbieterinitiativen, die technische Standards zu Defacto- Standards machen wollen. Jüngstes Beispiel: die Web Services Interoperability Organization, eine Gruppierung von bislang etwa 50 Hard- und Software- Anbietern, die dafür sorgen wollen, dass individuell entwickelte Anwendungen und Dienste zur kommerziellen Nutzung bereitgestellt werden können (siehe CIO 3/2002, Seite 50). Dabei gibt es bereits vier Standards, die das technische Fundament für Web-Services bilden: XML für den Datenaustausch, Soap für den Zugriff auf die Online-Dienste, WSDL zur einheitlichen Beschreibung der Services und UDDI als universelles Verzeichnis - eine Art „Gelbe Seiten“ für Web-Services. Diese Technologien bieten jedoch auch individuellen Spielraum; ein Zusammenspiel der konkurrierenden Infrastrukturen „.net“ (Microsoft) und Sun One (Sun Microsystems) ist nicht automatisch möglich.
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